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Interview "BOARDWAY"

„Die Bretter, die die Welt bedeuten“

Boardway „die“ Kiteschule am Greifswalder Bodden. Wir führten ein Interview mit Peter Goldbach den Besitzer der Schule. 

  • Peter Goldbach (links)
  • Abendstimmung am Spot Loissin
  • Wer braucht da noch TV
  • Wenn der Wind mal nicht weht
  • Am Spot ist immer was los
  • Schulung für angehende Kitesurf-Lehrer
  • Ein Markenzeichen des Spot, eine alte Bohrinsel

Peter Goldbach (links) Abendstimmung am Spot Loissin Wer braucht da noch TV Wenn der Wind mal nicht weht Am Spot ist immer was los Schulung für angehende Kitesurf-Lehrer Ein Markenzeichen des Spot, eine alte Bohrinsel

Hallo Peter,

dieses Jahr feierst du mit deiner Schule 10-jähriges Jubiläum. Du hast mit deiner Schule klein und mobil angefangen, inzwischen betreibst du eine beachtliche Kite-Station, direkt am Campingplatz in Loissin. Wie blickst du auf diese ereignisreiche Entwicklung zurück?

Es sind sogar noch mehr Jahre, mobil haben wir bereits 2005 angefangen und den Handel 2003. Zwischendrin noch vier Jahre Chefredaktion der Kitelife und so vieles mehr … Es war eine unglaublich ereignisreiche Zeit mit großartigen Momenten und auch vielen schlaflosen Nächten und unglaublich viel Arbeitsstunden. Und jedes Jahr passiert so unglaublich viel neues. Ich bin froh, mit einem tollen Team arbeiten zu dürfen, das für eine derzeit hohe Dynamik sorgt. Letztes Jahr kam ein neues Schulungskonzept, der Kajakverleih und die Werkstatt, dieses Jahr die Catsegelschule … Und wir erwägen noch ein paar andere für mich sehr spannende Schritte, bei denen noch nicht gänzlich klar ist, wohin die Reise geht. Es gibt so viele Bereiche, in denen man sich weiterentwickeln kann. Angefangen hat es mit der Leidenschaft fürs Kiten, jetzt geht es um einiges mehr. Aber wenn ich zurückblicke zählt, wie so oft im Leben, vor allem eins am meisten: Die vielen tollen Menschen, mit denen man zu tun hatte. Letztendlich ist es das, was hängen bleibt. 

Was ist deiner Meinung nach das Besondere am Spot Loissin? Und was machst du, wenn der Wind aus anderen Richtungen weht?

Loissin ist schon sehr ideal. Stehtief, aber nicht zu flach und ohne Untiefen. An manchen Tagen hat man weiter draußen sogar eine Welle die für  zum Spaß haben reicht. Es ist noch entspannt und man muss nicht weit rausfahren, um Platz zu haben. Noch dazu können wir viele Windtage vor Ort abdecken. Und wenn wir mal woanders hinmüssen, dann fahren wir da natürlich hin. Aber ich glaube auch der Flair und das Miteinander ist auch etwas besonderes in Loissin, wenngleich das nicht nur zum Spot gehört. Die Zeit auf dem Wasser ist eben immer nur ein Teil des ganzen. 

Man hört immer wieder positive Stimmen über boardway. Wie erklärst du dir dein Erfolgsrezept?

Ich glaube dahinter hängt eine grundsätzliche Einstellung. Es bringt sehr viel Freude, einen Schüler strahlend und zufrieden vom Wasser zu schicken. Unser Ziel ist es, so gut zu schulen wie möglich. Ich glaube, dass ein Geschäft nur dann Sinn ergibt, wenn es für beide Seiten stimmt und erst dann eine wirkliche Wertschöpfung entsteht. Ich denke ein gutes Beispiel ist unser Schulungskonzept, bei dem wir uns nicht in Punkto Lukrativität sondern in Punkto Qualität massiv verbessert haben, in dem wir nur noch mit zwei Schülern pro Lehrer schulen. Das bringt mehr Qualität und Sicherheit für den Schüler, aber eben auch für den Lehrer, der nun weniger Stress ausgesetzt ist und mehr rüberbringen kann. Wir versuchen mit verschiedenen Maßnahmen uns stetig zu verbessern. Wir sind alles andere als perfekt, wir werden es nie sein, aber wir wollen wenigsten stets besser werden.

Ein aktueller Trend ist Foilkiten. Wird deiner Meinung nach dieser Trend anhalten, bzw. hast du selbst einige Bretter in deiner Schule zu liegen. Wie fühlt es sich an, auf einem Foil-Board übers Wasser zu gleiten?

Foilen fühlt sich ein bisschen an wie fliegen: Leise, weich und ohne jede Kabbelwelle. Ich selbst liebe es zu foilen, insbesondere fürs Tourenfahren ist es ein Traum. Es ermöglicht Amwindwinkel, die man nicht für möglich gehalten hat und somit auch eine neue Freiheit, sich überall hinzubewegen. Foilen wird sicherlich im Kiten ein Thema bleiben und auch größer werden als zum Beispiel kiten mit Boots, da es den Windbereich nochmals nach unten vergrößert. Im Moment ist jedoch die Einstiegshürde recht hoch, da man sich durch ein paar frustrierende erneut-Anfänger-Stunden beißen muss und dazu eine nicht unerhebliche Investition fällig ist. Das begrenzt die Zielgruppe derzeit noch extrem. Aber wer weiß, wie sich das Ganze noch entwickelt. Gerade ist es ein Hype und von den Produkten wird abhängig, wie groß das ganze wird.

Seit letztem Jahr betreibst du zusätzlich zum Schulungsbetrieb auch eine kleine Werkstatt für Kite-Reparaturen … Richtig? Erzähl uns mehr davon!

Mit der Werkstatt ergänzen wir den boardway im technischen Bereich. Wir sind ja schon seit mehreren Jahren mit unserem Leinenservice aktiv und haben eine hohe Nachfrage nach unseren wunschgefertigten Leinen und Ersatzteilen. Darauf aufbauend haben wir letztes Jahr beschlossen, die Sache rund zu machen und mit Reparaturen zu ergänzen. Wir sind Servicepartner von Flysurfer und haben noch dazu viele originale Tücher und die farbigen Garne von North lagernd. Doch unsere Ziele bei der Werkstatt gehen weiter. Wir wurden letztes Jahr vom Wirtschaftsminister für die Entwicklung des Tandemtrapezes mit dem Titel „Kreativmacher“ ausgezeichnet und finden Produktentwicklung durchaus ein spannendes Feld. Aktuell beginnen wir zusätzlich technisch komplizierte Kleinserien im textilen Bereich zu fertigen. Wir strecken unsere Fühler mit der Werkstatt in verschiedene Richtungen aus ...

Wie ich sehe, bist du ein großer Flysurfer-Fan. Was ist das Besondere an diesen Schirmen?

Flysurfer begleitet uns seit 2002 und hat uns bereits früh unterstützt. Ich mag die Philosophie und die Leute in dieser Firma, auch der Umgang mit Mitarbeitern ist sicherlich als vorbildlich zu bezeichnen. In vielen Punkten hat die Firma für mich Vorbildcharakter. Und ich fand das echt großartig, wie Armin sich am Foilkite-System festgebissen hatte, während alle anderen nur noch Tubes bauten. Dabei muss es nicht unbedingt Flysurfer sein, schließlich haben wir als zweite Hauptmarke North im Sortiment und hatten immer wieder andere Marken in der Schule zu testen.

Was das Flugverhalten angeht, stehe ich  auf die Gleitzahl eines Foilkites und ein sauberes Fluggefühl im überpowerten bereich. Tubes fangen überpowert an zu flattern während ich eine Matte über die Kante nach vorne Prügeln kann. Der konstante Grundzug eines Hochleisters, der mit einem Hydrofoil nochmal mehr fetzt, ist auch eine wunderschöne Erfahrung. Ich bin nicht festgelegt und hatte auch meine zwei- bis dreijährige Wakestylephase, in der ich nur Tubes geflogen bin, aber für komplizierte Wakestyletricks habe ich einfach viel zu wenig Zeit auf dem Wasser und langsam auch zu alt. So fliege ich gern etwas mit viel Leistung. Möglicherweise mag ich Softkites aber auch deshalb so gern, weil sie eben anders sind als der Mainstream …

Eine Frage zu einem aktuellen Thema. Die Behörden und die Surfer stehen gerade in einem großen Interessenkonflikt betreffend der Naturschutzgebiete, die an manche Spots grenzen. Einige Spots an der Nordsee und im Raum Wismarer Bucht stehen kurz vor der Schließung bzw. sollen stark eingeschränkt werden. Wie stehst du zu diesem sensiblen Thema?

Das ist schon traurig, denn Kiter richten eigentlich sehr wenig Schaden an. Während manche Konzerne in der Umwelt einiges anrichten, sollen die Kiter eingeschränkt werden. In manchen Punkten verstehe ich schon, dass die Kiter auch mal ein paar Auflagen brauchen. Würde sich jeder vernünftig verhalten, wäre das alles kein Thema. Doch leider sind es wie so oft in der Welt ein paar wenige Idioten, die den Sport in ein schlechtes Licht rücken und gegen die etwas unternommen werden sollte. Schade nur, dass wieder alle ihre Nachteile davon haben. Ich hoffe nur dass die Doppelmoral „Kiter dürfen hier aus Umweltschutzgründen nicht her, aber wir bohren mal nach Öl“ nicht wirklich durchkommt.

 

5 Fragen / schnell beantwortet:

Warum Kiten und nicht Windsurfen?
Beides ist toll. Aber wir sind halt Kitesurfer und machen nur, was uns selbst begeistert und was wir gut können. Alles andere wäre nicht authentisch. Daher auch Catsegeln als Ergänzung und nicht Windsurfen.

An welchen Spot auf der Welt möchtest du unbedingt nochmal surfen?
Irgendwo mit Eisbergen.

Welche drei Dinge würdest du dahin mitnehmen?
Eine Kamera, eine sehr warme Ausrüstung und auch wenn es kein Ding ist: Meine Söhne, wenn sie dann schon groß genug, um mit mit aufs Wasser zu gehen.

Welche Erfindung oder Innovation würdest du dir im Kitesport noch wünschen?
Ich wüsste noch so 1-2 Sachen, wir arbeiten aber schon dran :-) Und dann noch vielleicht ein  Hydrofoil, das so jeder Kiter auf Anhieb fahren kann.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
Boah, das ist schwer zu sagen … Aber danke, dass ihr mich das fragt, dann kann ich in 10 Jahren mal nachlesen, was ich damals so dachte. Und derzeit ist ja sowohl bei uns als auch in der Welt so viel los, dass Prognosen schwierig sind.

Aber wenn es keine großen Umbrüche gibt, die im Leben immer mal kommen können, würde ich mal folgendes Bild malen: Die Wassersportstation ist gar nicht so viel größer, sondern einfach nur besser und feiner. Eben ein Ort, an dem die Welt noch in Ordnung ist, eine Insel in dieser verrückten Welt. Und um diese Insel herum gibt es eine größere Firma mit verschiedenen Standbeinen und möglichst vielen Mitarbeitern. 



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